Vintage-Urlaub 0.2 - Adria, amore mio!
- Sylvia Kester
- 9. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Ich nenne es Kult! Und das ItalienKlischee der 70er wird zur vollsten Zufriedenheit erfüllt.
Urlaub an der italienischen Adria in Misano Brasile.
Mein Mann fährt seit seiner Kindheit an die Adriaküste. Erst mit den Eltern, dann schleppte er mich mit und wir reisen nun auch schon mit Kindern und Enkelkind. Also bereits in 4. Generation an die italienische Küste. Jetzt nicht mehr jedes Jahr, aber immer wieder.
Und immer ins gleiche Hotel. Zu unserem Massimiliano ins TIVOLI nach Misano.
Etwas Luxus im Urlaub ist natürlich nicht schlecht. Von Luxus kann hier jetzt allerdings keine Rede sein. Es geht bei unseren FamilienUrlauben an der Adria auch nicht um dass Tollste, Beste und Teuerste. Wenn wir nach Misano ins Hotel Tivoli reisen geht es um Familie, Freunde, Gastfreundschaft. Und das ist für uns in dem Fall Luxus. Nach nunmehr bereits 40 Jahren, ist es wie nach Hause kommen...
Hotels wie etwa das Tivoli, sucht man sich jetzt nicht unbedingt im Katalog aus. Hierher kommst du durch Freunde oder Familie. Und bleibst dann irgendwie auch über Jahrzehnte hängen.
Der Urlaub fängt für mich dann an, wenn wir über den Brennero durch Südtirol sind und ich die ersten Zypressen sehe. Wenn ein italienischer Sender eingeschaltet wird, aus dem mehr parlare als Musik kommt - Da geht das Herz auf. Das schöne an Retro-Urlauben ist ja: man kennt sich aus. Du weißt wo es die beste Pizza gibt. Wo die nächste Apotheke ist. Wenn man die Kids sucht, du nur in der nächsten Spielhölle nachsehen mußt. Eine Bombelone mit Cappuccino an der Strandbar genießen und der Candidi- und CocoBelloMann zieht auch immer noch seine Runden am Strand - nur eben auch mit uns gealtert.

Und so freut man sich auch, an der Strandbar und auf der Nachbarliege, nach all den Jahren plötzlich alte Bekannte aus Jugendtagen wiederzutreffen – auch wenn die Wiedererkennung mitunter erst beim zweiten Hinsehen gelingt. Umso schöner, dass unsere Urlaubsfreunde von damals den Generationswechsel ebenfalls so gekonnt weitergeführt haben.
Das ist Kult!
Aber ACHTUNG: Wir reisen immer in der Nebensaison. In der Hauptsaison ist der Strand sehr sehr überlaufen.
Ja, der moderne Trend ist im und am Hotel Tivoli spurlos vorübergezogen: Kein gebürstetes Metall oder indirekte dekorative Leuchtdioden, keine stylischen Glaselemente oder ultramoderne Loungearea, kein frischgepresster O-Saft zu Frühstück, dafür die doch liebgewonnene kitschige Gemütlichkeit und ein typisch italienisches Frühstück mit undefinierbaren Obstsäften in dekorativem rot oder orange. Vor kurzem gab es aber eine rein ästhetisch optische Farbveränderung im Speisesaal. Dieser erstrahlt jetzt in einem ungemein taintschmeichelndem Pink, mit dessen Wand so mancher Gast nach einem ausgiebigen Sonnenbad, farbtechnisch gesehen, verschmilzt. Die Zimmer und Bäder wurden auch renoviert, öhm tja... größentechnisch ist das Bad immer noch sehr - sagen wir mal übersichtlich. Dafür sorgt die Bahngleise in der Nähe für Abwechslung.
An was ich mich im Süden aber nie gewöhnen werde sind die Zudecken. Unter den Überdecken verbirgt sich ein kompliziertes Laken-Lagen-Konstrukt, das mit Sicherheit aus der Römerzeit übernommen wurde. Die dünnen Baumwolllaken, die man vor der Nutzung erst einmal am Fußende herausziehen muß - möchte man nicht mit gebrochenen Fußknöcheln aufwachen oder sich die gewohnte Beinfreiheit erst später, im Bett liegend, "hart erarbeiten" will.
Gottseidank wurde wenigsten die kratzige, dunkelbraune muffelige Wolldecke als Überdecke verabschiedet - die liegt jetzt als Ergänzung in neu und hellbraun im Schrank. Auch die Matratzenthematik wurde mit einem Topper überarbeitet.
Im Tivoli wird die italienische Tradition noch live gelebt. Es werden heuer sogar einige Relikte aus dem vergangenen Jahrhundert für 50 Jahre Urlaub im Hotel geehrt. Wo sonst gibt es so etwas noch.
Seit einigen Jahren, hat Maxi die Rolle des Hotelchefs, von seinem Vater Tino übernommen und auch hier ist bereits die 3. Generation am Start. Im Tivoli hat nicht nur der frühere Polizeichef schon heftig gefeiert, auch der Ferrariclub hält hier seine Treffen ab. Kult eben!
Wer nicht nur am Strand liegen möchte, für den habe ich ein paar Unternehmungstipps. Es gibt zahlreiche RadLeihStationen vor Ort.
Mit dem E-Bike durch das OASI DEL CONCA Naturschutzgebiet
Manchmal musst du einfach andere Wege einschlagen - zum Beispiel mit dem Rad. Durch das Naturschutzgebiet des Conca-Flusses gleich hinter Misano Adriatica. Du kommst am Stausee vorbei, dem Riviera Golfplatz von Cattolica, fährst durch Morciano di Romagna (wo man für 2 Espressi und 1 Literflasche Aqua 3,80 Euro zahlt), vorbei an wundervoll duftenden Ginsterhainen und einem Weingut das noch aus der Zeit der Tempelritter stammt. Hier kann man noch die unterirdischen Gewölbe aus dieser Zeit besichtigen und natürlich Wein und Olivenöl kaufen. Dieses traumhafte Anwesen umfasst eines der wichtigsten Weingüter in der Romagna. Das Tenuta del Tempio Antico macht einen Wein, der in der gesamten Romagna bekannt ist und die Reben ohne Einsatz von Pestiziden behandelt werden.
Oder das Weingut ENIO OTTAVIANI in San Clemente
Sehr gut auch mit dem Rad zu erreichen. Ein modernes Weingut, umgeben von Weinbergen mit wunderschöner Athmosphäre. Und die Hühner leisten dir beim Essen Gesellschaft.

Gleich in der Nähe für Motorbegeisterte...
Es lohnt sich ein Besuch der Rennstrecke - dem bekannten Misano World Circuit . Wir waren in diesem Jahr beim Qualifying des "Elefantenrennens" also den Trucks dabei. Man hat sich alles bequem ohne Gedränge ansehen können und das Rahmenprogramm war super.

Mit dem Rad über die VIA PANORAMICA
Also, die Strada Panoramica Adriatico mit dem normalen Rad zu erfahren - ist eine Herausforderung. Aber mit dem EBike ein Genuss. Gestartet sind wir in Cattolica am Hafen und hoch nach Gabbice Monte. Dort natürlich die grandiose Aussicht bei einem AperolSprizz genossen. Vorbei am Naturpark Monte San Bartolo zwischen den Städten Cattolica/Gabbicce Mare und Pesaro. Diese wenig befahrene Küstenstraße ist etwa 15 Kilometer lang. Hier geht es direkt hinter dem Meer auf rund 185 Meter hinauf – die Küste fällt steil ins Meer hinab – mit vereinzelten Buchten und kleineren Dörfern bis nach Pesaro. Unbedingt zu erleben!
Es gibt zahlreiche Stellen auf dem Weg nach Pesaro, an denen du nur anhälst und nur staunen kannst, wie schön doch die Adriaküste an der Grenze der Emilia Romagna zu den Marken ist. Du hast auf der einen Seite einen atemberaubenden Meerblick. Und siehst du auf die andere Seite der Strasse, könnte man denken - ok, mitten in der Toskana. Diese Gegend ist abseits der üblichen Touristenhochburgen der Adria absolut ein Ausflug wert.





Eine weitere Radtour mit viel Aussicht: die Strada Panoramica. Hoch über die Hügel ins malerisch, historische Dorf SALUDECIO im Conca-Tal. Bekannt für weite Ausblicke auf die Adriaküste, das Umland und San Marino (E-Bike unbedingt zu empfehlen). Saludecio ist eines der Dörfer, die man am besten zu Fuß entdeckt, indem man sich von den Gassen und gemalten Kunstwerken an den Häusern leiten lässt. Eine echte Open-Air-Kunstgalerie.

Wer hier noch nicht genug hat, fährt weiter hoch...
...ins Örtchen MONDAINO. Besucht die Piazza Maggiore: Der einzigartige, halbrunde Platz aus dem 19. Jhd. wird auch „Pfannenplatz“ (Piazza padella) genannt. Gönn dir gern einen Espresso im urigen Cafe auf der Piazza, nachdem du eine wirklich kurze Rundtour durch die Altstadt (mit grandiosem Ausblick) gelaufen bist.
ESSEN
Das Hotelessen im Tivoli ist sehr gut. Aber ab und zu gönnen wir uns doch einen Restaurantbesuch:
Bei ORFEO. Das Orfeo befindet sich auch Misano Brasile und ist absolut our Favorit. Aber auch die Strandbars lassen kulinarisch keinen Wunsch offen. Spagetti Vongole am Mittag war bei uns der allgemeine Trend.


Falls jemand also mal wieder Wehmut nach dem ItalienFeeling der 70er verspürt - ich hätte da einen Tipp...
Es lebe das Dolce Vita... Salute
Sylvie






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